yogabuch / pathologie / kniegelenkerguss
Definition
Der Kniegelenkerguß ist eine akute oder chronische Ansammlung von Gelenkflüssigkeit, Blut (Hämarthros) oder Eiter (Pyarthros) in der Gelenkkapsel. Unpräzise wird in der Alltagssprache auch von „Wasser im Knie“ gesprochen. Durch ein pathologisches Geschehen wird die Membrana synovilalis gereizt und produziert vermehrt Synovialis. Die Synovialflüssigkeit wird dabei weniger viskös als normal und kann durch Zellabrieb getrübt werden. Werden Blutgefäße verletzt, entsteht ein Hämarthros, sind Bakterien im Spiel ein Pyarthros. Unterschieden werden müssen 4 Fälle:
- Seröser Fall: Die Ergussflüssigkeit ist bei Meniskusschäden und Knrpelschäden klar mit bierbrauner Note, bei anderen schwereren degenerative Erkrankungen und rheumatischem Geschehen trüb mit viel Proteinen und Zelltrümmern. Im Fall leichter Gelenkprellungen und bei frischen Patellaluxationen kann der serösen Flüssigkeit auch etwa Blut beigemischt sein.
- Eitriger Fall (Empyem): Der eitrige Erguß ist ein orthopädischer Notfall. Meist liegt eine bakterielle Arthritis vor, dabei wird in primär (Erreger dringen von außen ins Gelenk, traumatisch oder iatrogen) und sekundär (hämatogener Eintrag ins Gelenk von entfernten primären Herden wie Zähne, Otitis media, Meningitis, Tuberkulose). Die eitrige Erguss ist sofort zu versorgen, da Gelenkschäden und eine Sepsis droht.
- Hämarthros: Durch Kapselverletzungen, Bandverletzunngen oder Knochenverletzungen wie Frakturen und Avulsionen oder auch durch Blutgerinnungsstörungen entsteht ein blutiger Erguß. Ist dabei die Knochenmarkhöhle eröffnet, tritt dessen Fett aus und schwimmt auf dem Erguß.
- Fibrinöser Erguss: die Ergußflüssigkeit enthält Fibrin, ursächlich sind in der Regel schwerwiegendere entzündliche oder traumatische Geschehen.
Kniegelenkergüsse bei Jüngeren sind häufig überlastungsbedingt, bei Älteren meist die Folge degenerativer oder rheumatischer Geschehen. Akute traumatische Ergüsse treten meist bei jüngeren, sportlich Aktiven auf.
Ursache
- iatrogen: durch Eingriffe ins Kniegelenk oder Infektionen im Rahmen von invasiven Interventionen
- Verletzungen oder Überlastungen von Strukturen des Kniegelenks (Bänder, Menisken)
- aktivierte Arthrose
- Arthritis bei Borreliose, Morbus Reiter oder Psoriasis Arthritis
- Patellaluxation oder -subluxation
- Plica-Syndrom
- autoimmunologisch, dann meist von der Membrana synovialis ausgehend
- rheumatische Erkrankungen, z.B. RA, Morbus Bechterew, SLE
- Hämophilie
- Gicht
- Pseudogicht (Chondrokalzinose): Ablagerung von Ca-Kristallen
- Kanzerosen
Prädisponierend
Diagnose
- Sono, MRT
- Tests und Zeichen: tanzende Patella (ab. ca. 50 ml Erguß), Brush-Test
- ggf. Erregerbestimmung nach Punktion
Symptome
- Alle Entzündungszeichen, die Schwellung ist sichtbar und tastbar, veränderte Gelenkkontur
- druckbedingte Beweglichkeitseinschränkung (vor allem Beugehemmung)
- Bewegungsschmerz, oft retropatellar empfunden
Komplikation
- im eitrigen Fall: Sepsis, Panarthritis mit Kapselschrumpfung und konsekutiver Einsteifung des Gelenk sowie Zerstörung der Gelenkknorpel
- der erhöhte intraarterielle Druck kann die Gelenkkapsel überdehnen und zu Gelenkinstabilität führen
- im serösen Fall: sekundäre Bakerzyste
Therapie
- im nichttraumatischen Fall: Therapie der Grunderkrankung
- Belastungsreduktion, Hochlagern
- Kühlen
- Bei Ursache Trauma: Sportpause
- Therapie der Grunderkrankung
- nach ergußbedingten Bewegungseinschränkungen schrittweise Mobilisierung und Belastungswiederaufnahme
- ggf. NSAR, auch als Salbe
- ggf. Punktion, aber nicht mehrfach (Infektionsgefahr)
- ggf. bei eitrigem Fall intraartikuläre Kortisoninjektion
- im eitrigen Fall: wiederholte antiobiotische Spülungen des Kniegelenks bis zum negativen Erregernachweis
- akute traumatische Ergüsse heilen bei adäquater Versorgung meist folgenlos aus
- PT, Dehnungstraining, Kräftigungstraining
- ggf. Ganganalyse oder Analyse der sportlichen Bewegungsabläufe